Prof. Dr. Fred Van den Anker
Als Mitarbeiter der ersten Stunde hat Fred Van den Anker Forschung und Lehre zu Usability, UX und KI an der Hochschule mitgeprägt.
- Dozent
- an der Hochschule seit 2006

Was ist das Beste an Ihrer Tätigkeit als Dozent an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW?
Ich mag es sehr, neue Forschungsprojekte oder Lehrmodule bzw. Lehreinheiten zu entwickeln und ihre Umsetzung im Detail auszuarbeiten. Das ist einer der attraktivsten Aspekte meiner Tätigkeit: Neue Entwicklungen aufzugreifen, zu überlegen, was künftig gebraucht werden könnte, und daraus neue Themen für Forschung, Aus- und Weiterbildung zu entwickeln.
In den letzten Jahren war dabei natürlich vor allem das Thema KI zentral. So konnten wir einen Forschungsschwerpunkt zur User Experience von KI im Gesundheitswesen aufbauen. Zudem habe ich das Thema KI in unseren CAS Usability & User Experience sowie die Themen «Internet of Things» und «Smart, Connected Products» in meine Lehre integriert.
«Ich mag es sehr, neue Forschungsprojekte oder Lehrmodule bzw. Lehreinheiten zu entwickeln und ihre Umsetzung im Detail auszuarbeiten.»Prof. Dr. Fred Van den Anker
Ein Highlight aus Ihrer 20-jährigen Tätigkeit an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW?
Da gab es verschiedene Forschungsprojekte, an die ich sehr gerne zurückdenke, etwa das Innosuisse-Projekt – damals noch KTI – zum Thema Videokonsultation in der Behandlung und Betreuung von Menschen mit Querschnittlähmung, eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum. Oder auch ein jüngeres Projekt zur User Experience (UX) von Insulinpumpen in der Diabetestherapie, in dem wir die Nutzung von Insulinpumpen mit unterschiedlichem Automatisierungsgrad mithilfe zahlreicher Interviews mit Diabetespatient*innen, kombiniert mit Tagebüchern und einem Survey, sehr detailliert analysieren konnten.
Ein besonderes Highlight für mich war sicher auch der CAS Usability & UX, den wir seit 2015 sehr erfolgreich durchführen. Was wir den CAS-Teilnehmenden über die Jahre für ihren beruflichen Alltag mitgeben konnten – und was wir als Dozierende umgekehrt von den Teilnehmenden zurückbekommen haben –, hat mir immer sehr viel bedeutet.
Was hat sich in Ihrem Schwerpunktthema in den letzten 20 Jahren verändert und wie geht es weiter?
Im Bereich des User-Centered Design markierte die Verschiebung von Usability und «Usability Engineering» hin zu «User Experience» (UX) und UX Design eine wesentliche Entwicklung. Man könnte sogar von einem Paradigmenwechsel sprechen: Weg von einem primären Fokus auf das Negative, also auf das Verhindern oder Beheben von Usability-Problemen, hin zu einer stärkeren Ausrichtung auf das Positive – auf die Entwicklung attraktiver Produkte, die ästhetisch ansprechend, identitätsstiftend und/oder stimulierend sind, uns Freude bereiten und zugleich grundlegende menschliche Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, Autonomie und Kompetenzentwicklung ansprechen.
Auch KI führt uns derzeit mit ihren Möglichkeiten einer zunehmenden Automatisierung – etwa entlang menschlicher Entscheidungen – deutlich vor Augen, wie wichtig es ist, solche menschlichen Grundbedürfnisse, insbesondere das Bedürfnis nach Autonomie und Kompetenzentwicklung, zu berücksichtigen. Im Human-Centered Design von KI-Anwendungen wird dies in den kommenden Jahren ein zentrales Thema sein. Deshalb untersuchen wir in unseren aktuellen Forschungsprojekten, etwa in der Diabetestherapie und in der Notfallmedizin, wo im Hinblick auf Vertrauen in KI und Nutzerakzeptanz eine gesunde Balance zwischen Automation und Autonomie liegen könnte.
«KI führt uns derzeit deutlich vor Augen, wie wichtig es ist, menschliche Grundbedürfnisse, insbesondere das Bedürfnis nach Autonomie und Kompetenzentwicklung, zu berücksichtigen.»Prof. Dr. Fred Van den Anker
Was macht die Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW aus Ihrer Sicht einzigartig?
Die Hochschule hat sich von Anfang an – in Ergänzung zu dem, was man üblicherweise mit Psychologie verbindet (klinische Psychologie sowie HR, Personalauswahl und -entwicklung) – für einen bedingungsbezogenen Ansatz stark gemacht: für die gesundheits- und persönlichkeitsfördernde Gestaltung von Arbeitsbedingungen; für die Gestaltung von Umgebungen und Technologien, die zu den Menschen, ihren Aktivitäten und Bedürfnissen sowie ihren «Strengths and Weaknesses» passen. Das darf man nicht zu einseitig betrachten, und das tut die Hochschule auch nicht. Es stellt jedoch einen wichtigen Fokus und Grundsatz dar, den sie vertritt.
Was wünschen Sie der Hochschule für die kommenden 20 Jahre?
Etwas klischeehaft würde ich sagen, dass sie es schafft, am Puls der Zeit zu bleiben. Aktuell verändert sich, insbesondere auch durch KI, sehr viel in sehr kurzer Zeit. Zudem liegt erfahrungsgemäss oft viel Zeit zwischen der Idee für eine Weiterbildung oder ein Forschungsprojekt und deren Beginn, sodass es, denke ich, auch eine verstärkte antizipative und kollektive Anstrengung braucht, um rechtzeitig auf Entwicklungen reagieren zu können.