Heinz Schüpbach
Heinz Schüpbach war von 2009 bis 2017 Direktor der Hochschule. Im Gespräch mit Direktorin Tanja Manser erzählt er von Herausforderungen und Highlights.
- Direktor der Hochschule von 2009 bis 2017

Tanja Manser: Was fasziniert dich persönlich am meisten an der angewandten Psychologie?
Heinz Schüpbach: Die Verbindung von Psycho-Logik und Techno-Logik: Also, nicht nur Mensch und Technik aufeinander abzustimmen, sondern beide Denkweisen zu integrieren – zwei eigenständige Logiken unter einen Hut zu bringen. Das fand ich in meinem gesamten Berufsleben faszinierend.
Was hat dich motiviert, 2009 die Stelle als Direktor der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW anzutreten?
Das sozio-technische Konzept hat mich schon früh geprägt. Die Idee, eine Hochschule zu leiten, in der diese Perspektive zentral ist – und die von den Konzepten Eberhard Ulichs beeinflusst wurde –, war für mich unwiderstehlich.
«Die Idee, eine Hochschule zu leiten, in der die sozio-technische Perspektive zentral ist – und die von den Konzepten Eberhard Ulichs beeinflusst wurde –, war für mich unwiderstehlich.»Heinz Schüpbach
Wo stand die Hochschule, als du sie übernommen hast?
Sie war noch ein Pionierbetrieb und administrativ von der Hochschule für Wirtschaft verwaltet. Meine Aufgabe war, sie abzunabeln und eigenständig zu machen. Dies bedeutete, Finanzen, Marketing und Kommunikation selbst zu betreiben, Studiengänge und die Ausbildung zu verselbständigen.
Der Wille zur Forschung war stark. Und die psychologische Interventionsmethodik – das Analysieren, Bewerten und Gestalten – bedeutete auch, dass es immer Projekte mit Anwendungsbezug waren, nie zweckfreie Forschung. Menschengerechte Arbeitsgestaltung bemisst und validiert sich an Kriterien. Nicht einfach nur eine Reliabilität oder theoretische Validität, sondern Kriterien, die zweckgebunden sind und einen echten Nutzen stiften.
Ihr habt viel Pionierarbeit geleistet.
Ja, insgesamt ist es eine Erfolgsstory – wir bekamen nichts geschenkt, aber offene Ohren, wenn wir überzeugend argumentierten. Und wir hatten das Glück, stets engagierte Unterstützer zu haben.
«Insgesamt ist es eine Erfolgsstory – wir bekamen nichts geschenkt, aber offene Ohren, wenn wir überzeugend argumentierten. Und wir hatten das Glück, stets engagierte Unterstützer zu haben.»Heinz Schüpbach
Mit welchen Herausforderungen warst du in deiner Amtszeit konfrontiert?
Eine Herausforderung war, dass die Fachhochschulpsychologie noch wenig bekannt war. Es galt, gegenüber Politik, Fachhochschulrat, Direktion usw. immer wieder zu erklären, warum Psychologie an einer Fachhochschule wichtig ist – besonders der bedingungsorientierte Ansatz. Dies deutlich zu machen war schwierig, aber als es dann gelang, löste es sehr viel Faszination aus.
Und auch innerhalb der Scientific Community mussten wir die Fachhochschulpsychologie in der Psychologie etablieren. Mit den Verbänden – ich habe mich in vielen Fachverbänden engagiert – haben wir die sgaop-Mitgliedschaft für Bachelor-Absolvierende und FSP-Standards für den Master erarbeitet.
Das dritte waren die Arbeitsplätze. Unsere Räumlichkeiten waren zu eng geworden – es brauchte eine neue Lösung. Beim Umzug in den Sälipark war von Anfang an klar, dass wir da ein völlig anderes Bürokonzept umsetzen wollten. Es war ein mustergültiges Projekt. Wir analysierten den Raumbedarf nach Aufgaben und richteten die Büroräumlichkeiten entsprechend ein. Trotz Vorbehalten gegenüber «Grossraumbüros» zu Beginn, würde die Hochschule das Modell heute vehement verteidigen. Die Zusammenarbeit mit Vitra war in dieser Zeit intensiv und auch für die Forschung in diesem Bereich war das gut. Mit unserem Büro verfügten wir über eigene Erfahrung mit dem Raumkonzept und gleichzeitig war es auch immer ein Musterbeispiel für bedingungsbezogene Gestaltungskonzepte für Büroräume. Das Ganze war zwar eine ziemliche Herausforderung, aber gleichzeitig auch ein Highlight.
Welche Anekdote wirst du nie vergessen?
Es gab viele total gute Situationen – von den Hochschulleitungsretraiten bis zu den Sommerfesten. Und auch wenn Crispino (Bergamaschi, Direktionspräsident; Anm. der Redaktion) etwas skeptisch war gegenüber der Psychologie, gaben hohe Anmeldezahlen, null Arbeitslosenquote der Absolvierenden, gute Arbeitgeberrückmeldungen uns recht. Ich glaube, Crispino ist immer noch kein grosser Fan der Psychologie. Aber er akzeptiert und schätzt, dass die Hochschule dermassen erfolgreich ist.
«Meine Aufgabe als Direktor war, den improvisationsgeprägten Pionierbetrieb zu professionalisieren – Herzblut mit kühlem Kopf verbinden.»Heinz Schüpbach
Welche Entscheidung würdest du rückblickend als Schlüsselmoment für die Entwicklung der Hochschule bezeichnen?
Das Thema Pluri-Disziplinarität stand immer im Raum. So kam die Wirtschaftspsychologie dazu, denn uns fehlte die Marktperspektive, obwohl das innerhalb der Psychologie ein etabliertes Gebiet ist. Dasselbe bei den neuen Technologien, wo von Anfang an klar war, dass wir dies irgendwie integrieren würden.
Welche Botschaft möchtest du Studierenden und Absolvent*innen mit auf den Weg geben?
Ich wünsche mir, dass menschliche Arbeit zentral bleibt – identitätsbildend, persönlichkeitsbildend, qualifizierend –, und dass die Hochschule und die Studierenden wesentlich dazu beitragen solche Arbeit zu gestalten.
Ich hoffe, dass viele junge Leute weiterhin Herzblut entwickeln. Denn Arbeitspsychologie ohne Herzblut funktioniert nicht.
Was hältst du von den drei Zukunftsfeldern der FHNW, «Future Health», «New Work», «Zero Emission»?
Mir käme bei weitem keine Hochschule in den Sinn, die derart prägnant in alle drei Gebiete passt wie die Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW. Sie ist prädestiniert, solche Themen zu behandeln.
Dein Schlusswort?
Meine Aufgabe war, den improvisationsgeprägten Pionierbetrieb zu professionalisieren – Herzblut mit kühlem Kopf verbinden.