Josef Stalder
Josef Stalder, Gründungsmitglied und erster Direktor der Hochschule, sprach mit Direktorin Tanja Manser über die spannende Anfangsphase und die ursprüngliche Vision, die bis heute wirkt.
- Gründungsmitglied
- erster Direktor der Hochschule (von 2006 bis 2009)

Tanja Manser: Bevor die Hochschule gegründet wurde, gab es den Studiengang Angewandte Psychologie. Wie kam es dazu?
Josef Stalder: Das begann an der damaligen Fachhochschule Solothurn, die Technik, Wirtschaft und Soziales vereinte. Zunächst ging es nicht direkt um Psychologie, sondern um eine arbeits- und organisationspsychologische Sicht auf Technik und Wirtschaft. Deshalb holte man Eberhard Ulich in den Beirat, das war so um 1996.
Und weiter?
Später entwickelte Ulich die Vision eines eigenen Fachbereichs Angewandte Psychologie, an der 1998 gestarteten Fachhochschule Solothurn. Ich erinnere mich an Gespräche am Rande einer Fachhochschulratssitzung über mögliche Entwicklungen in diese Richtung.
«Wir waren ein wunderbares Team – innovativ, kooperativ, kreativ. Es war eine konfliktlose Zeit, in der wir alle am gleichen Strang zogen. Und ich glaube, wir haben gute Arbeit gemacht.»Josef Stalder
Wie würdest du die Anfangsphase beschreiben?
Ich unterscheide zwei Ebenen: Zum einen war dies die inhaltliche Entwicklung des Fachs und die Organisationsentwicklung. Toni Wäfler, Christoph Clases, Kerstin Rieder und ich waren ein wunderbares Team – innovativ, kooperativ, kreativ. Ich denke immer noch mit grosser Freude daran zurück. Es war eine konfliktlose Zeit, in der wir alle am gleichen Strang zogen. Und ich glaube, wir haben gute Arbeit gemacht.
Das sehe ich auch so! Und die andere Ebene?
Das war die Einbettung in die Hochschullandschaft. Der Bund verlangte etwa eine Kooperation mit dem IAP, was nicht zustande kam; mit universitären Instituten lief es dagegen problemlos. Schwieriger war die Anerkennung durch den Bund, die beim Bachelor und Master viel Geduld und Gespräche erforderte. Als schliesslich der Brief kam, dass der Master anerkannt war, wusste ich: Jetzt sind wir dabei.
Erkennst du die ursprüngliche Vision in der heutigen Hochschule noch?
Soweit ich dies beurteilen kann, ja. Der bedingungsbezogene Ansatz und die Projektorientierung in der Ausbildung bestehen fort. Interdisziplinarität war wichtig, aber teils herausfordernd – das Thema Gesundheit beispielsweise gab es auch in der Sozialen Arbeit, in der Wirtschaft und in der Pädagogik – da sah man sich teilweise auch als Konkurrenz.
«Mit der Master-Anerkennung war klar, dass wir etabliert waren. Denn mir war klar: Ohne Master keine Angewandte Psychologie.»Josef Stalder
Gab es einen Moment, in dem du wusstest: Wir sind auf dem richtigen Weg?
Die grosse Nachfrage zeigte, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Wir wollten mit 30 Studierenden starten, machten kaum Marketing – und hatten trotzdem starken Zulauf. Ebenso an der Resonanz der Unternehmen: Partnerunternehmen für Studierendenprojekte zu finden war einfacher als gedacht. Mit der Master-Anerkennung war klar, dass wir etabliert waren. Denn mir war klar: Ohne Master keine Angewandte Psychologie. Der Master ist ja auch für den Berufstitel entscheidend.
Eine Anekdote aus der Gründungszeit?
Die Anerkennung des Masters war ein Höhepunkt – alle waren so positiv gestimmt.
Diese Stimmung spürte man auch 2019 beim zehnjährigen Jubiläum des Masters. Man merkte, wie viel Herzblut darin steckt.
Ja, viel Herzblut und Freude. Schön, wenn man das von der eigenen Arbeit sagen kann, oder? Und das ist ja genau das, was wir für andere Menschen wollen. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit – meine letzten sechs Berufsjahre vor der Pension. Etwas Neues aufzubauen, das so erfolgreich wird, ist ein Geschenk.
Was macht die Hochschule einzigartig?
Sie ist die grösste Institution für Angewandte Psychologie mit Schwerpunkt Arbeit im deutschsprachigen Raum, näher an den Bedürfnissen der Wirtschaft als Universitäten. Die starke Praxisorientierung – Studierende akquirieren und führen Projekte selbst durch – vermittelt wertvolle Kompetenzen.
Stimmt, diese Kompetenz ist Studierenden oft gar nicht bewusst.
Was ich ebenfalls toll finde und mir bei den Diplomfeiern jeweils auffällt: dass die Absolvent*innen nicht nur Wissen, sondern die Denkweise der Angewandten Psychologie beherrschen. An der Hochschule wird nicht bloss Wissen vermittelt, sondern eine Art zu denken.
«Die angewandte Psychologie bietet eine Alternative zu rein technik- oder wirtschaftsgetriebenen Innovationsstrategien – und eine Arbeitswelt, in der Menschen zählen. Mein Wunsch an die Hochschule und ihre Absolvent*innen ist, dieses andere Bild einer Gesellschaft und Arbeitswelt mutig und glaubwürdig zu vertreten.»Josef Stalder
Was wünschst du der Hochschule für die nächsten 20 Jahre?
Dass die angewandte Psychologie eine Alternative zu rein technik- oder wirtschaftsgetriebenen Innovationsstrategien bietet – und eine Arbeitswelt, in der Menschen zählen. Mein Wunsch an die Hochschule und ihre Absolvent*innen ist, dieses andere Bild einer Gesellschaft und Arbeitswelt mutig und glaubwürdig zu vertreten. Es wäre schön, wenn für die Unternehmen nicht nur Umsatz und Gewinn zählten, sondern auch die Menschen.
Unsere Absolvent*innen sind später im Unternehmen häufig die Einzigen mit psychologischer Ausbildung. Das ist unheimlich anforderungsreich. Deshalb unterstützen wir sie mit Alumni- und Mentoring-Programmen, wo sie sich austauschen können.
Schön! Es reicht nicht, Instrumente mitzugeben – entscheidend ist deren Anwendung. Psychologinnen müssen oft erklären, warum es sie braucht, und zwar nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern um Menschlichkeit im Zusammenleben und Zusammenarbeiten zu fördern.
Welche Wirkung der Hochschule berührt dich am meisten?
Dass es die Hochschule heute noch in dieser Stärke und Vitalität gibt – mit guter Ausstrahlung und positiver Wirkung auf die Gesellschaft.
Vielen Dank für das Gespräch!