Prof. Dr. Katrin Fischer
Katrin Fischer berichtet von ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit den SBB und anderen Highlights aus ihrer 20-jährigen Tätigkeit an der Hochschule.
- Professorin am Institut Mensch in komplexen Systemen
- an der Hochschule seit 2005

2019 gingen die SBB und die Hochschule eine strategische Partnerschaft ein. Was bedeutete dieser Schritt für Sie bzw. für die Hochschule?
Zunächst einmal empfinde ich dies als eine grosse Wertschätzung unserer Arbeit und unserer Kompetenzen. Dass sich die SBB für uns als strategischen Partner entschieden haben, zeigt, dass wir mit unserem soziotechnischen Ansatz, unseren Methoden und Konzepten überzeugen konnten, dass wir für die SBB brauchbare und umsetzbare Lösungen anbieten können und als zuverlässige Forschungspartner wahrgenommen werden. Das macht mich schon auch ein bisschen stolz – immerhin sind die SBB das grösste Bahnunternehmen der Schweiz und unbestritten eines der leistungsfähigsten der Welt.
Für mich und die Hochschule bedeutete diese strategische Partnerschaft viele spannende und herausfordernde Projekte, mit denen wir sehr direkt arbeitspsychologisches Wissen und Erkenntnisse einbringen und so in den vergangenen Jahren viele technische Vorhaben der SBB soziotechnisch begleiten konnten.
Sie haben zahlreiche Projekte mit den SBB durchgeführt. Woran erinnern Sie sich besonders gern?
In vielen Forschungsprojekten versuchen wir, die soziotechnischen Systeme für die Mitarbeitenden – die Lokführer*innen, die Fahrdienstleitenden usw. – zu verbessern, d. h. sie so zu gestalten, dass auch bei zunehmender Automatisierung immer noch interessante, herausfordernde Arbeitstätigkeiten für die Mitarbeitenden bestehen bleiben, in denen sie ihre Kompetenzen einbringen und erweitern können. Dafür ist es oft hilfreich, wenn man die Arbeit der Lokführerinnen oder des Fahrdienstes ein wenig kennt. Das schönste Kompliment, das ich in diesem Zusammenhang einmal von einem Mitarbeiter in einem gemeinsamen Projekt erhalten habe, war sein Satz: “Man merkt bei Dir gar nicht, dass Du kein Lokführer bist!” Mich hat das sehr gefreut, weil wir nicht als “die Studierten” wahrgenommen werden, die von der Realität der Mitarbeitenden keine Ahnung haben …
Ein Highlight aus Ihrer 20-jährigen Tätigkeit an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW?
Es gab sehr viele spannende Projekte, von denen ich jetzt einige als “Highlights” nennen könnte, z. B. mehrere grosse Forschungsprojekte, in denen wir uns mit der menschzentrierten Gestaltung künftiger Automatisierungen im Bahnbetrieb beschäftigt haben und gemeinsam mit den Kolleg*innen der SBB und der BLS ein Instrument entwickeln konnten, um arbeitspsychologische Kriterien systematisch bei der Planung und Entwicklung künftiger Arbeitssysteme im Bahnbetrieb zu berücksichtigen. Ein anderes, aktuelles Highlight war im Oktober 2025 die Bewilligung eines grossen SNF-Antrages zusammen mit einer Kollegin von der ETH Zürich, der es uns ermöglicht, in den nächsten vier Jahren ein immer wichtiger werdendes Thema zu beforschen, nämlich die Wechselwirkungen verschiedener Sicherheitsbereiche (Safety, Security und Informationssicherheit) zum Schutz kritischer Infrastrukturen in der Schweiz. Auf dieses Projekt freue ich mich sehr.
Was wünschen Sie der Hochschule für die kommenden 20 Jahre?
Ich wünsche meiner Hochschule für die nächsten 20 Jahre weiterhin so engagierte und offene Projektpartner, wie es die SBB-Kolleg*innen sind, kluge und innovative Wissenschaftler*innen an der Hochschule, gute Rahmenbedingungen insgesamt für die FHNW und Klarheit und Konsequenz im Vertreten unseres soziotechnischen und menschzentrierten Ansatzes der Arbeitsgestaltung auch in der Zukunft.
